Anastasia Noble 25.12.1911 - 03.12.2000
Zum Gedenken an Miss Anastasia Mary Elisabeth Noble, Präsidentin des Deerhound Clubs Great Britain und Züchterin der berühmten Ardkinglas Deerhounds.
"Ich hätte mir doch züchterisch alles erlauben können, wem wäre es denn aufgefallen? Aber da ich mich viel zu gerne mit Menschen unterhalte, hätte ich mich sehr wahrscheinlich selbst verraten." Miss Nobles Kommentar zu der Behauptung, sie habe bestimmt mal einen Barsoi eingekreuzt. Tatsächlich wollte sie Anfang der 70er aus Australien einen Hund aus einer Deerhound x Barsoi-Verpaarung importieren. Aber der Kennel Club hatte dies nicht erlaubt.
Schon einmal hatte sie einen Outcross gewagt. Anfang der 50er Jahre kreuzte sie einen Coursing-Greyhound ein.
Wer war Miss Noble, die wie nur wenige fast ihr ganzes Leben den Deerhounds gewidmet hat? Weit über 200 Würfe und über 30 britische Champions hat sie in fast 70 Jahren gezüchtet. Viel wurde über ihre Hunde berichtet. Weniger, dass sie 50 Jahre sehr erfolgreich Hackney Horses züchtete.
Sehr abwechslungsreich und glücklich war ihre Kindheit. Wurde sie doch in "sehr glückliche Umstände" geboren. Auf der einen Seite sehr wohlhabende Verhältnisse durch den Großvater. (Armstrong) und auf der anderen Seite die Aistokratische durch die Campbells (Dukes of Argyll). Diese Kombination ermöglichte ihr eine unbeschwerte Jugend. Man lebte entweder in London am Great Portland Place oder im Sommer auf Ardkinglas, das Anwesen, das der Großvater 1907 erbauen ließ.
Da ihre Mutter eine große Verfechterin von modernen Lernmethoden war, mussten sie und ihre vier Geschwister häufiger die Schule wechseln. Sie sprach fließend Französisch, da sie auch in Paris zur Schule gegangen war. Auf einer Schule war sie nur einen Tag. Der Schulleiter bat ihre Mutter, sie am nächsten Tag wieder abzuholen, denn sie hat den anderen Schülerinnen die "facts of life" mitgeteilt...
Das Leben nach der Schulzeit war sehr unbeschwert. Wie Miss Noble mir erzählte, lebte man von einer Party zu nächsten. Der älteste Bruder wurde Diplomat und war Botschafter in verschiedenen Länder, Mexiko, Polen, Finnland etc.. Später erbte er auch den Titel "Lord Noble Baron of Ardkinglas und Glenure".
Der zweite Bruder erbte Ardkinglas und verwaltete es bis zu seinem Tod. Der dritte, Miss Nobles Lieblingsbruder war Besitzer des an Ardkinglas angrenzenden Anwesens Strone und wurde durch die Queen geadelt für seine Verdienste als Secretary of State for Scotland. Ihre Schwester starb früh.
Bei einem Ausritt auf dem 24.000 Hektar großen Gelände traf sie einen Forstangestellten mit Deerhounds, der ihr berichtete, dieses brauche er, um den Bestand an Hirschen nicht zu groß werden zu lassen. Zurück zuhause las sie sofort über die Rasse nach und bestellte ihren ersten Deerhound bei Miss Bell "Nora of Enterkine", die Stammmutter aller Ardkinglas Deerhounds.
Eine lange Freundschaft mit Miss Bell und den Enterkine Deerhounds begann. Nicht nur, dass sie sich züchterisch austauschten, auch im zweiten Weltkrieg, als viele die Hundezucht aufgaben oder ihre Hunde täten lassen mussten, half Miss Noble ihr.
Ch.Patrick of Enterkine verbrachte die letzten Kriegsjahre bei ihr. Patrick machte viele Dummheiten, er sprang aus der ersten Etage und u.a. hatte er eine Technik entwickelt, den eingekochten Lachs (das Einzige, wovon es im Krieg genügend gab) zu klauen. Davon soll es ihm ziemlich schlecht geworden sein.
Obwohl die Nobles in London wie auf Ardkinglas ca. 30 Leute Personal hatten, war es Miss Noble nicht erlaubt, im Haus Hunde zu haben. Die Zwinger sind ca. 300 Meter vom Haus, am "Square", den Wirtschaftgebäuden angegliedert.
Als ihr Bruder starb und ihre Schwägerin die Leitung des Hauses übernahm, zog sie es vor, in eine Wohnung vom "Square" zu ziehen. Auch als dieselbe starb, wollte sie lieber in der Nähe ihrer Tiere bleiben. Seitdem hatte sie immer Interessierten die Möglichkeit gegeben, mit ihr und den Hunden in einer der schönsten Gegenden Schottlands zu leben und zu arbeiten.
In der Zeit als ich bei ihr war (Mitte der 80er) hatten wir viel Spaß und ich konnte sehr viel von ihr lernen. Neben den vielen Hundeerfahrungen möchte ich hier von etwas anderem erzählten. Miss Noble konnte ausgezeichnet kochen. Der Koch der Eltern kam aus der Schweiz und gerne schaute Miss Noble ihm "über die Schultern".
Einen Abend hatte Miss Noble Huhn gekocht. Als ich gerade die bequemen Teile mit Messer und Gabel gegessen hatte und daran dachte, den Rest mit den Fingern zu essen, sagte sie:" Björn, can you imagine, I had once Americans here and they eat their chicken with fingers." Sie können sich vorstellen, was ich dann nicht tat.
An einem Tag fuhren wir zusammen nach Oban, um Farbe einzukaufen. Im Schaufenster eines Antiquitätengeschäfts stand ein wunderschöner, silberner Kerzenleuchter. Ich sagte, ohne eine Antwort zu erwarten: "Was der wohl kostet?" Wir beiden waren mehr zum Arbeiten als zum Window Shopping gekleidet. Miss Noble wie immer kurzentschlossen "Let´s go in and ask". Ab hier nur noch Originalwortlaut. Miss Noble:" How much is that silver candle stick?" Besitzer: "3.500 Pfund." Miss Noble:" Do you have a second of that one?" Besitzer: "Sorry, I have only that one." Miss Noble: " What a shame, I need two!"
Mit ihren Hunden war sie eins. Im Ring strahlten ihre Deerhounds immer eine äußerst selbstsichere Ruhe aus. Immer voller Kraft und Dynamik. Nur noch wenige haben die unverfälschten Ardkinglas-Blutlinien.
Noch viele Dinge könnte ich berichten. Das letzte Mal sprach ich sie auf der letzten Breedshow in North Berwick, Schottland. Wir saßen zusammen mit Jean Blandfort und Glenis Peach, um Fotos ihrer Hunde für das neue Championsbook auszuwählen.
Miss Noble: "It´s good to talk to you again..."
Ich hätte noch über so viele Dinge mit ihr reden können. Eine Ära ist zu Ende.
Björn Fritz
Four Feet by Rudyard Kipling
I have done mostly what men do
and pushed it out of my mind,
but I can´t forget if I wanted to
four feet trotting behind.
Day after day, the whole day through
wherever my road inclimed,
four feet said, "I´m coming with you,"
and trotted along behind.
Now I must go by some other road -
which I shall never find -
somewhere that doesn´t carry the sound
of four feet trotting behind.