Vielen Dank an Esther Bühler für die Bereitstellung ihrer Übersetzung
Lure-Coursing
Vortrag von Frau Dulcie Long, USA
Frau Long ist Coursingrichterin und Barsoizüchterin. Sie hat diesen Vortrag, organisiert von Herrn Massimo Bottura, im Anschluss an ein Coursing in Italien im Frühjahr 1998 gehalten. Dieser Artikel ist im Baraka Book Nr. 8 erschienen.
Übersetzung: Esther Bühler
Diese Übersetzung ist ein Auszug aus dem Vortrag.
Mrs. Long:
Bemerkungen am Anfang
Ich bin im gesamten gesehen sehr beeindruckt von der Qualität ihrer Hunde in Bezug auf Schönheit und Leistung. Von der Geschicklichkeit der Afghanen und Barsois im Speziellen war ich beeindruckt, da diese Rassen in den USA nicht immer sehr gut laufen. Die Greyhounds waren auch sehr beeindruckend. In den USA dominieren ausgediente Bahnhunde die Coursings. Die Whippets und Salukis gehörten zu den besten die ich je gerichtet habe. Es war wunderschön die Geschicklichkeit und das immer noch vorhandene Talent der Hunde zu sehen, die auch an Ausstellungen konkurrieren können. Ich habe das Gefühl, dass diese Qualität in den USA in Gefahr ist, da immer mehr Züchter nur noch auf Coursing- und Rennvermögen züchten. Dabei geht manchmal die Eleganz und Schönheit einzelner Rassen verloren. Ich erkenne die Herausforderung, Hunde zu züchten, die bei Coursing und Ausstellung bestehen können.
Kurssetzung
Ich wählte einen Kurs, wie wir ihn oft in Colorado benutzen. Das heisst, wir bevorzugen für unsere Hunde einen offenen Kurs, dadurch ist die Verletzungsgefahr geringer. Ich denke, dass viele Whippetbesitzer mit mir übereinstimmen, da Kurse mit vielen scharfen Wendungen die Gefahr von Fuss- und Zehenverletzungen erhöhen.
Zudem sind enge Kurse auch für grosse Rassen ein Nachteil, da sie ja gezüchtet wurden um längere gerade Distanzen zu laufen. Ein Kurs mit vielen scharfen Wendungen erlaubt ihnen nicht sich zu strecken, um somit ihre volle Geschwindigkeit zu erreichen. Es gibt auch eineTheorie, die sagt, dass die Phase des totalen Streckens und Zusammenziehens beim Galopp die Hunde beim atmen unterstützt. Voll ausgestreckt wird das Zwerchfell nach rückwärts gezogen und zieht so die Luft ein, die Lungenkapazität wird vergrössert und es braucht weniger Aufwand für das Einatmen. Während der zusammengezogenen Phase des Galopps wird die Luft aus der Lunge gedrückt. Auf diese Art braucht ein Rennhund wenig Aufwand, um die grossen Mengen Sauerstoff, die die Muskeln brauchen, aufzunehmen. Diese Energie kann so zu den grossen Muskeln im Rücken und der Hinterhand geleitet werden. Das kann vielleicht auch erklären warum ein Hund 3 - 5 Minuten nach einem Rennen stärker hechelt als direkt nach dem Rennen. Lassen wir einen grossen Hund auf einem Kurs mit vielen kurzen Geraden laufen, entziehen wir ihm diese natürliche Atmungshilfe und er muss nicht nur seinen Körper vorwärts bringen um schnell zu rennen, sondern er muss auch mehr Energie für die Atmung aufbringen. Dies zusammen führt zu Sauerstoffmangel in den Muskeln was zu einer Übersäuerung (Muskelkater) führen kann. Obwohl das nur eine Theorie ist, scheint es mir logisch zu sein bei meinem Verständnis von Physiologie. Viele Leute meinen zwar, dass ein Kurs mit vielen Wendungen die Bewegung des Hasens am besten simuliert, gemäss meiner Erfahrung bei der Jagd des Western-Kaninchens kann ich dies aber nicht bestätigen. Bei meinen Beobachtungen macht ein Hase nur dann ein scharfe Richtungsänderung, wenn er von einem Hund dazu gezwungen wird. Ich werde meine Beobachtungen des Jadgverhaltens der verschiedenen Rassen später darlegen.
Rassen: Laufstil, Richten und Jagen
Obwohl alle unserer Windhundrassen für die Jagd einer speziellen Beute gezüchtet wurden, können alle auch zur Jagd auf anderes Wild eingesetzt werden. Der Barsoi wurde für die Wolfsjagd gezüchtet, er kann aber auch für kleinere Beute wie Fuchs oder Hase eingesetzt werden. Generell kann man sagen, dass grössere Rassen wie Afghanen, Barsois, Irish Wolfhounds und Scottish Deerhounds höchst wahrscheinlich in Gruppen von 2 oder 3 jagten. Salukis wurden sehr wahrscheinlich einzeln oder in Gruppen eingesetzt, Greyhounds und Whippets jagten einzeln, nur in Wettbewerben paarweise oder zu dritt. Deshalb tendieren die grösseren Rassen dazu in dieser Art zu jagen, nämlich die Flanken des Hasen abzudecken oder auszuschwärmen. Ich habe nicht oft Barsois, Afghanen oder Salukis gesehen, die dem künstlichen Hasen in direkter Linie nachjagen. Sie jagen meistens auf der einen oder anderen Seite des Hasen um ihn abzufangen, sollte er die Richtung ändern. Ich richte das nicht anders, als ob sie dem Hasen direkt folgen würeden, weil dies ja auch natürlich wäre.
Die grösseren, manchmal schwereren Hunde brauchen länger, bis sie die volle Geschwindigkeit erreichen, deshalb beobachte ich, welcher Hund als Erster auf die maximale Geschwindigkeit kommt. Manchmal ist dies ihr schnellster Hund, aber er kann nicht immer die Wendungen machen, sondern vertraut auf seinen überlegenen Speed um wieder aufzuholen nach einem überrennen der Wendung. Der andere, und oft mein bevorzugter Typ des grösseren Hundes, ist beim Start ein bisschen langsamer aber er ist kräftiger und galoppiert gleichmässiger über den ganzen Parcours. Dieser Hund profitiert oft von der Schnelligkeit des anderen, da der schnellere Hund den Hasen in die erste Wendung drängt und dem Kräftigeren Zeit gibt, die Wendung zu nehmen. Wenn der kräftigere Hund seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hat gibt er die Führung so leicht nicht wieder ab. Der sehr schnelle Hund ist nun im Nachteil, da er nach dem Überrennen der Ecke es schwer hat, ohne grössere Abkürzungen des Parcours, den Hasen wieder zu erreichen. Falls aber der schnelle Hund clever ist, überrennt er die Ecke nur wenig und behält dabei den anderen Hund im Auge, um zu sehen wo der Hase ist. Ein solcher Hund ist schwer zu schlagen, da sein Verlust bei der ersten Wendung nicht gross ist im Vergleich mit seiner ausgezeichneten Geschwindigkeit. Der kräftigere Hund wird ihn für den Rest des Parcours aber fordern, da er nun auch seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hat.
Der Barsoi kann ein grosser Läufer sein oder aber totales Mittelmass. Obwohl der Barsoi meine Lieblingsrasse ist, habe ich wenige der ersten aber viele der zweiten Kategorie gesehen. Grossartige Coursers sind oft mit Greyhounds vergleichbar in Geschwindigkeit und der Möglichkeit sich zu strecken und dabei viel Boden zu decken. Viele Barsois, die lebende Beute gejagt haben, haben kein Interesse daran, den künstlichen Hasen zu jagen. Andere lieben einfach das Jagen. Agressivität gegenüber anderen Hunden ist nicht ungewöhnlich beim Barsoi, da sie sehr konkurrierend sind untereinander. Die Begeisterung und der Wunsch zu jagen ist nicht immer verbunden mit dem Mut es zu tun. Einige Barsois reagieren stark auf den Hasen, wollen ihn aber nicht über eine lange Distanz verfolgen. In den USA haben wir herausgefunden, dass im Durchschnitt Hündinnen bessere Lure-Coursers sind. Die Hündinnen sind zudem meistens zuverlässiger bei dieser Arbeit. Nur wenige Rüden sind ähnlich erfolgreich. Diese Rüden sind meistens kleinere Rüden, in der Grösse ähnlich den Hündinnen.
Idealerweise sollte der künstliche Hase nahe beim führenden Hund gezogen werden aber vor und um die Wendungen stark beschleunigt. Dies gibt den grossen Hunden die Möglichkeit, dem Hasen um die Kurven zu folgen. Ist vor der Wendung der Hase zu nahe beim führenden Hund, kann der Barsoi die scharfe Wendung nicht machen und dies ermöglicht dem langsameren Hund die Führung zu übernehmen. Einige Barsois, frustriert darüber, dass ihnen der Hase weggenommen wurde, hören auf zu laufen, andere haben grosse Schwierigkeiten den Rückstand wieder aufzuholen, da sie total den Schwung verloren haben. Wir sprechen hier in der Praxis davon, den Hund in und um die Wendung zu führen, und dies sollte für alle Rassen so gemacht werden. Wird der Hase nicht um die Wendung geführt, bevor der Hund die Ecke erreicht, sagt man, der Hasenzieher 'begräbt' den Hund in der Ecke. Der führende Hund hat nachher oft keine Chancen mehr. Das richtige Ziehen des Hasens ist extrem wichtig für den Barsoi wegen ihrer Grösse. Sogar ein sehr wendiger Hund kann verloren sein, wenn der Hase direkt vor ihm dreht. Einige Barsois haben sich auch schon verletzt, weil sie in dieser Situation versucht haben auf der Vorhand diese scharfe Wendung zu machen. Die meisten Barsois machen ihre stark beschleunigenden Wendungen auf der stärkeren, beweglicheren Hinterhand. Das ist der Grund, weshalb der Barsoi ein bisschen Zeit braucht, um zu lernen, seinen Körper zu seinem besten Nutzen einzusetzen. Viele Barsois laufen am besten bei starker Konkurrenz, da der Barsoi von Natur aus sehr ehrgeizig ist. Auf offenem Gelände jagen die Barsois auch zusammen und geben die Jagd auf, wenn die Beute zu weit entfernt ist. Das ist ja effizienter, weil sie so die Kräfte für eine Beute, die eventuell einfacher zu fangen ist, schonen. Wenn der Hase aber nahe ist, sind sie extrem beweglich und hartnäckig bei der Jagd. Sie töten den Hasen schnell indem sie ihn schütteln. Gemäss meiner Erfahrung apportieren die Barsois ihre Beute auch, manchmal über weite Strecken. Beim Richten der Barsois beim Lure-Coursing schaue ich auf Schnelligkeit, Beweglichkeit und grossen Verfolgungstrieb. Barsois folgen oft nur dem anderen einfach aus Freude am Laufen und sind nicht so sehr auf den Hasen konzentriert. Beobachten Sie den hinteren Hund genau, um zu sehen ob er wirklich dem Hasen folgt oder nur dem führenden Hund nachläuft. Barsois reagieren auch stark auf die Dominanz des anderen
Hundes und weniger erfahrene Hunde werden diesen Hund, obwohl sie könnten, nicht überholen. Sobald sie aber mehr Erfahrung und Sicherheit haben, werden sie dies tun. Da ich aber diesen Hunden nicht mehr Punkte geben kann, mache ich einen Vermerk um dies danach den Besitzern zu erklären. Der Besitzer ist dann nicht so enttäuscht und wird seinem Hund die Chancen geben, seine Erfahrungen und sein Selbstbewusstsein durch die Teilnahme an weiteren Lure-Coursings zu stärken. Dieses Verhalten habe ich auch bei anderen Rassen beobachtet, besonders beim Saluki. Der Barsoi sollte über den ganzen Parcours stark und ausdauernd sein, obwohl er nicht wie der Saluki oder Afghane für lange Distanzen gezüchtet wurde.
Schottische Deerhounds haben einen ähnlichen Laufstil wie die Barsois. Ich hatte die Möglichkeit einige ausgezeichnete Deerhounds laufen zu sehen. Sie sind sehr beeindruckend, wenn sie ihre langen Beine voll ausstrecken beim Galopp. Der Galopp sollte weich und fliessend sein. Deerhounds brauchen noch mehr Galoppsprünge bis sie auf ihre volle Geschwindigkeit kommen. Im Gegensatz zu anderen Rassen ist beim Deerhound die Beweglichkeit in den Wendungen ist nicht so wichtig, da er gezüchtet wurde um den Hirsch in extrem rauhem und koupiertem Gelände zu jagen. Bei ihnen ist mehr die Geschicklichkeit erwünscht um in unebenem Gelände die Balance halten zu können. Deshalb sollten sie trittsicher und ausdauernd sein. Beim Richten des Deerhounds schaue ich weniger auf die Geschwindigkeit, als auf die Verfolgungsschärfe und auf grosse Kraft und Ausdauer. Der Deerhound ist eine Rasse, die meiner Meinung nach nicht sehr zur Hasenjagd geeignet ist. Ich hatte noch nie Gelegenheit sie jagen zu sehen. Sehr wahrscheinlich wurden sie auch zur Hasenjagd verwendet, aber sie sind sicherlich für grössere Beute gebaut. Gemäss den Überlieferungen haben die Deerhounds den Hirsch oft nicht getötet, sondern nur ausser Gefecht gesetzt bis der Jäger kam um diesen zu töten. Der schottische Hirsch hatte ein enormes Geweih um sich zu verteidigen. Also auch hier: Deerhound wie auch Barsoi mussten die Beute nicht immer töten.
Über den Hasenzieher
Der Hasenzieher hat den wichtigsten und anspruchvollsten Job bei einem Lure-Coursing. Es ist seine Aufgabe für jeden Hund den Kurs optimal zu ziehen. Weil das so ist würde ich sagen: ein Hasenzieher kann den besten Hund schlecht aussehen lassen oder den schlechten Hund gut. Der Hase sollte immer zum Vorteil des führenden Hundes gezogen werden. Der Hasenzieher sollte den Hasen nicht dazu benutzen, den Parcours anspruchsvoller zu machen als er ist, oder dazu um die Hunde auszutricksen. Beachten Sie, dass ich gesagt habe, der Hase sollte für den führenden Hund gezogen werden. Wird der Hase zu weit weg vom führenden Hund gezogen, muss der führende Hund die Ecke nehmen, während der hintere Hund die Wendung zu früh erkennt und abkürzen kann, um die Führung zu übernehmen. Das ist unglücklich, denn als Richter muss ich die Punkte so vergeben, wie der Parcours gelaufen wurde und nicht wie er hätte gelaufen werden sollen. In diesem Fall muss ich die Punkte nun dem Hund geben der hinten lag, obwohl ich persönlich vielleicht nicht der Meinung bin. Beim richtigen Ziehen des Hasens wird der führende Hund dem Hasen in die Wendung folgen, die Wendung machen und weiter führen. Der hintere Hund wird trotzdem noch die Ecken etwas schneiden, das wird aber nicht so viel Vorteil bringen, da der führende Hund bereits die Wendung gemacht und wieder beschleunigt hat. Hunde, die weit hinten liegen werden die meisten Ecken schneiden. Da sie aber sowieso zu langsam sind, können sie dem anderen Hund die Führung nicht streitig machen.
Der Hasenzieher hat den wichtigsten und anspruchvollsten Job bei einem Lure-Coursing. Es ist seine Aufgabe für jeden Hund den Kurs optimal zu ziehen. Weil das so ist würde ich sagen: ein Hasenzieher kann den besten Hund schlecht aussehen lassen oder den schlechten Hund gut. Der Hase sollte immer zum Vorteil des führenden Hundes gezogen werden. Der Hasenzieher sollte den Hasen nicht dazu benutzen, den Parcours anspruchsvoller zu machen als er ist, oder dazu um die Hunde auszutricksen. Beachten Sie, dass ich gesagt habe, der Hase sollte für den führenden Hund gezogen werden. Wird der Hase zu weit weg vom führenden Hund gezogen, muss der führende Hund die Ecke nehmen, während der hintere Hund die Wendung zu früh erkennt und abkürzen kann, um die Führung zu übernehmen. Das ist unglücklich, denn als Richter muss ich die Punkte so vergeben, wie der Parcours gelaufen wurde und nicht wie er hätte gelaufen werden sollen. In diesem Fall muss ich die Punkte nun dem Hund geben der hinten lag, obwohl ich persönlich vielleicht nicht der Meinung bin. Beim richtigen Ziehen des Hasens wird der führende Hund dem Hasen in die Wendung folgen, die Wendung machen und weiter führen. Der hintere Hund wird trotzdem noch die Ecken etwas schneiden, das wird aber nicht so viel Vorteil bringen, da der führende Hund bereits die Wendung gemacht und wieder beschleunigt hat. Hunde, die weit hinten liegen werden die meisten Ecken schneiden. Da sie aber sowieso zu langsam sind, können sie dem anderen Hund die Führung nicht streitig machen.
Ich bevorzuge die Endlosanlage, da die Kontrolle über den Hasen viel präziser ist als beim Schlepphasen. Ich verstehe ihre Bedenken in Bezug auf die Sicherheit ihrer Hunde. In USA ziehen einige Klubs ihre Coursings nur mit dem Schlepphasen. Wie auch immer, ich denke, das die Verletzungsgefahr bei der Endlosanlage nicht grösser ist als beim Schlepphasen, wenn der Hasenzieher kompetent, der Parcours sicher und der Hund in guter Kondition ist.
Miss Dulcie Long bedankt sich am Schluss für die freundliche Aufnahme und den Respekt der ihr entgegengebracht wurde.
Created by © Petra Tremmel & Stefan Hofmann 2001